Wer aktuell auf Sylt das Inseldasein vor herrlicher Nordseekulisse genießt und sich dabei fragt, weshalb Westerland nur so vor Surfern und Wassersportlern tummelt: Zwischen dem 27. September und dem 6. Oktober findet das internationale Finale des Mercedes-Benz Windsurf World Cups auf Sylt statt. Die Atmosphäre, von Hobby- und Profisportlern angeheizt, genauso wie das spannende Rahmenprogramm mit dem Charakter einer großen Surferparty fängt auch alle Wassersportunbeteiligten ein. Aber was hat es mit Windsurfing eigentlich auf sich?

Rasanter Sport-Import aus den Staaten

Windsurfing, wie wir es heute kennen, stammt aus den USA: Diese Mischung aus Segeln und Wellenreiten präsentierte der amerikanische Erfinder Newman Darby 1964 erstmals mit der Zeichnung eines Sailboards in dem populärwissenschaftlichen Magazin Popular Science – die Bauanleitung gab es quasi dazu. Ingenieur Jim Drake entwickelte es gemeinsam mit seinem Freund Hoyle Schweizer weiter und setzte das heute gängige Segel auf. Der Deutsche Fred Ostermann gilt ebenfalls als Windsurf-Pionier und erfand neben dem Tandemsurfen das Windsurfbrett „Windglider“, das erste für die Olympischen Spiele zugelassene Windsurfboard.
So entwickelte sich das Windsurfen bis in die Mitte der Achtzigerjahre zu einer immer populärer werdenden Sportart – einem Trendsport eben. Von dem Reiz, sich rasant und wendig auf einem Surfboard mit Segel fortzubewegen, hat der Sport bis heute nichts verloren. Seit 1983 wird jährlich nach dem weltweit besten Windsurfer gesucht. Das Event der Professional Windsurfers Association wird stetig medienpräsenter und seit 2011 auch via kommentiertem Live-Stream im Netz ausgestrahlt.

So entstand der Windsurf-Boom auf Sylt

Zu verdanken ist es dem deutschen Windsurf-Profi und gebürtigen Sylter Jürgen Hönscheid, der 1983 die Weichen für Sylt als Austragungsort des Windsurf Cups legte. Bereits den ersten Windsurf World Cup auf Fuerteventura organisierte er mit. Die Voraussetzungen für die Austragung am Brandenburger Strand in Westerland schuf er ebenfalls – 1984 fand dann der erste Windsurf World Cup auf Sylt statt. Und genau da wird das Finale der PWA-Worldtour mit dem höchstdotierten Preisgeld in Höhe von 120.000 Euro auch bis heute und darüber hinaus noch immer ausgetragen. Im Laufe der Jahre gab es dabei wechselnde Hauptsponsoren, darunter Colgate-Palmolive und Reno. Inzwischen findet der Windsurf World Cup Sylt unter der Flagge von Mercedes-Benz statt. Ob sich die Windsurfer stets die Zähne mit der bekannten Zahnpastamarke säuberten ist zwar unbekannt, sicher ist hingegen aber, dass viele Surfer auf die Surfer-Vans der Mercedes-Flotte setzen. Die können Gäste an der Westerländer Promenade im Eventzeitraum übrigens probefahren!

Der Reiz am Adrenalinsport Windsurfing

Was ist aber der Reiz am Windsurfing? Das Surfer-Image war schon immer eines, das sich durch ein Gefühl von Freiheit und Naturverbundenheit verstand. „Wer surft, der liebt die Natur“, heißt es in Surferkreisen auch. Wer direkt in den Ozean eintaucht, sollte schließlich ein entsprechendes Gefühl für ihn entwickeln. Ohne die Natur und ihre Meere kein Surfing. Und wer Leidenschaft für Sport zu Wasser pflegt, der möchte das Wasser natürlich auch entsprechend wahren und respektieren – klingt logisch, oder? Viele Wassersportler tragen deshalb aktiv zum Umweltschutz bei oder haben zumindest ein Bewusstsein dafür. Vereine etwa engagieren sich in der Regel entsprechend und klären etwa darüber auf, wie Wassersportler ihren feuchten Fußabdruck auf der Umwelt möglichst gering halten.
Windsurfing ist also genauso wie „normales“ Surfing Teil dieses sportlichen, naturnahen Lebensgefühls – nur eben mit der Extraladung Adrenalin. Schließlich bewegen sich die Sportler auf den Brettern mit durchschnittlich 30 bis 35 Stundenkilometern über die Wasseroberfläche, um mit den wendigen Boards auf den Wellen waghalsige Manöver und Stunts durchzuführen. Ganz nach dem Motto „No Risk, No Fun“ liegen die Rekordgeschwindigkeiten bei über 90 km/h. Das schaffen aber nur besonders mutige Profis bei starken Stürmen und glattem Gewässer, in dem sie sich auf sogenannte Speedneedles stellen. Die sind mit etwa 25 Zentimeter Breite nämlich besonders schmal und flink. Wer das macht, sollte das Meer und sein Verhalten also besser kennen und respektieren.