Veröffentlicht am: 21.07.2026 Familientradition am Meer Neuigkeiten Über Sylt Vorzüge des Tourismus StrandmenschenUnsere Rettungsschwimmer Auf Sylt wird die Leidenschaft für das Meer oft von Generation zu Generation weitergegeben. Besonders bei den Rettungsschwimmern zeigt sich diese Verbundenheit. Viele Familien sind seit Jahrzehnten mit der Wasserrettung verbunden und geben ihre Leidenschaft für diesen anspruchsvollen Job und den Blick für die besonderen Bedingungen der Nordsee weiter.Auch bei Wiebke Viereck gehört das Rettungsschwimmen zur Familiengeschichte. Ihr Vater Walter Viereck war 19 Jahre lang Rettungsschwimmer am Westerländer Hauptstrand, ihr Großvater arbeitete als Strandkorbwärter. Auch ihr Onkel Boy Viereck saß viele Jahre im Rettungsturm vor der Westerländer Promenade und arbeitet heute noch als Rettungsschwimmer in Hörnum. Ihr Cousin Matthias Fritz war ebenfalls als Rettungsschwimmer aktiv. Schon als Kind war Wiebke eng mit den Menschen verbunden, die an den Stränden der Insel für Sicherheit sorgten und ihre Einstellung zu dieser besonderen Arbeit geprägt haben. „Besonders beeindruckt hat mich Heike Drath. Familie Drath hat bei den Sylter Rettungsschwimmern eine große Familientradition. Heike war braun gebrannt, groß, gutaussehend mit langen blonden Haaren. Sie ist immer rausgepest und konnte schwimmen wie eine Göttin.“ Wiebke entschied sich dafür die Familientradition fortzuführen, obwohl ihr Vater aus Sorge um seine Tochter zunächst Bedenken hatte. „Mein Papa hat immer gesagt: Nein Wiebke, das ist nix für dich!“ Seine Sorge war nicht unbegründet, denn die Bedingungen für Rettungsschwimmer waren früher deutlich anspruchsvoller. Die Rettungskräfte mussten unter anderem mit schweren Holzbooten durch die Brandung hinaus rudern. Heute erleichtern moderne Rettungsgeräte die Arbeit. Als ihr Vater sie schließlich beim Training erlebte, erkannte er ihre Leidenschaft für das Wasser. „Als er mich das erste Mal richtig schwimmen gesehen hat sagte er zu mir: Ich habe einen großen Fehler gemacht, das hätte ich viel früher fördern müssen. Du schießt ja wie ein Torped durchs Wasser.“ Seitdem hat er darauf vertraut, dass seine Tochter gut vorbereitet ist und der Nordsee mit dem nötigen Respekt begegnet. Heute arbeitet Wiebke Viereck neben ihrem normalen Job in der Apartmentvermietung ihrer Eltern einmal wöchentlich als Rettungsschwimmerin beim Insel Sylt Tourismus-Service (ISTS) an den Stränden von Westerland und Rantum. Dafür braucht es eine umfassende Ausbildung. Voraussetzungen für den Rettungsschwimmerjob beim ISTS sind das Rettungsschwimmabzeichen in Silber, ein Erste-Hilfe-Kurs mit der Qualifikation Herz-Lungen-Wiederbelebung sowie die Fähigkeit 1000 Meter in unter 20 Minuten zu schwimmen. Dazu kommen die jährliche Brandungsprüfung und das wöchentliche Training der Rettungsschwimmer. Besonders wichtig ist die Erfahrung, die innerhalb des Teams weitergegeben wird. Denn der Blick für die Nordsee entwickelt sich mit der Zeit. Strömungen, Wellen und Windverhältnisse lassen sich nicht allein aus Büchern lernen. „Das kommt erst mit den Jahren. Das kann man nicht von jetzt auf gleich. Daher hat es Tradition, dass immer ein erfahrener mit einem jungen Rettungsschwimmer zusammenarbeitet, sofern es möglich ist.“ Auf dem Rettungsschwimmerstand sitzt man ohnehin nicht allein, sondern arbeitet in Zweierteams. Im Rettungsschwimmerjargon sprechen sie dabei von ihrem „Spannmann / Spannfrau“. Der Begriff kommt vom Pferdegespann und beschreibt die besondere Verbindung im Einsatz: Beide achten aufeinander, stimmen sich ab und verlassen sich auf den anderen. Neben der Beobachtung des Wassers gehört auch die Kommunikation mit den Badegästen zum täglichen Einsatz. Besonders wichtig ist dabei die Bedeutung der Strandflaggen. Sie zeigen den Badegästen wie die aktuelle Situation einzuschätzen ist und geben Orientierung für einen sicheren Aufenthalt am Wasser. Die rot-gelbe Flagge am Rettungsschwimmerstand bedeutet, dass die Rettungsschwimmer vor Ort sind. Weht zusätzlich eine gelbe Flagge, ist das Baden nur innerhalb des gekennzeichneten Badefeldes erlaubt. Bei roter Flagge besteht Badeverbot. Warum diese Hinweise so wichtig sind, erklärt Wiebke Viereck mit einem einfachen Vergleich: „Die Nordsee hat halt keinen Beckenrand an dem man sich festhalten kann. Wind, Strömungen und Wellen können sich schnell verändern. Wer die Flaggen beachtet und den Anweisungen der Rettungsschwimmer folgt, unterstützt damit die eigene Sicherheit und die der Rettungsschwimmer, welche sich bei einem Einsatz unter Umständen auch selbst mit in Gefahr begeben.“ Neben ihrer Arbeit am Strand engagiert sich Wiebke Viereck aktuell auch im Organisationsteam des bevorstehenden Rettungsschwimmer-Contests auf Sylt. Der Wettbewerb hat auf Sylt eine lange Tradition und findet bereits seit den 70‘er Jahren statt. Anlässlich des 75-jährigen Jubiläums der DLRG Sylt e.V. treten am 8. August die Rettungsschwimmer-Teams der Sylter Inselgemeinden sowie ein Team der DLRG Sylt e.V. am Brandenburger Strand in Westerland gegeneinander an. Gefragt sind Schnelligkeit, Teamgeist und sichere Rettungstechniken im Wasser und an Land. Zuschauer sind herzlich willkommen, wenn die Teams ab 18.30 Uhr ihr Können zeigen. Der Eintritt ist bei Vorlage der Gästekarte frei. Weitere interessante Storys unter www.insel-sylt.de/unsersylt/ Schon gewusst? Rund 40 Rettungsschwimmer arbeiten beim Insel Sylt Tourismus-Service und sorgen von Mai bis Ende September an den bewachten Strandabschnitten in Rantum und Westerland täglich von 10.30 bis 17.00 Uhr für Sicherheit im und am Wasser. Von Gritje Stöver